Winterreifen 2026 – Pflicht, Tipps & Test

In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht. Was das genau bedeutet, welche Symbole zählen, wann du wechseln solltest und welche Reifen aktuelle Tests empfehlen — alle Infos kompakt.

Winterreifen auf schneebedeckter Straße

Winterreifenpflicht in Deutschland

In Deutschland gibt es keine kalendarische Winterreifenpflicht (also keine festen Daten). Stattdessen gilt die situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO: Bei winterlichen Straßenverhältnissen — Schnee, Eis, Schneematsch oder Reifglätte — muss das Fahrzeug mit Winterreifen oder Ganzjahresreifen (mit Alpine-Symbol) ausgestattet sein.

Was bei Verstoß passiert Wer bei Schnee oder Eis mit Sommerreifen fährt: 60 € und 1 Punkt — mit Behinderung anderer 80 € und 1 Punkt (Bußgeldkatalog Nrn. 5a und 5a.1). Verursachst du einen Unfall, kann die Versicherung die Leistung kürzen oder verweigern (grobe Fahrlässigkeit). Zudem haftest du für Schäden, die durch den Verstoß entstanden sind.

Alpine-Symbol vs. M+S: Was gilt seit 2024?

Hier ist Vorsicht geboten — die Regeln haben sich geändert:

  • Alpine-Symbol (3PMSF): Das Bergpiktogramm mit Schneeflocke ist das offizielle Zeichen für einen geprüften Winterreifen. Nur Reifen mit diesem Symbol erfüllen seit dem 1. Oktober 2024 die gesetzliche Winterreifenpflicht in Deutschland — § 36 Absatz 4 StVZO verlangt ausdrücklich die Kennzeichnung nach der UN-Regelung Nr. 117.
  • M+S allein: Die reine M+S-Kennzeichnung (Mud and Snow) ohne Alpine-Symbol gilt seit Oktober 2024 nicht mehr für die Winterreifenpflicht. Reifen mit reiner M+S-Kennzeichnung, die bis zum 31. Dezember 2017 gekauft oder hergestellt wurden, durften „bis zum Ablauf des 30. September 2024" weitergefahren werden — so die Begründung der Änderungsverordnung. Diese Übergangsfrist ist abgelaufen.

Wann Winterreifen montieren?

Als Faustregel gilt: Oktober bis Ostern (kurz: „O bis O"). Als Orientierung nennt der ADAC rund 7 °C: In diesem Bereich beginnen Winterreifen ihre Vorteile auszuspielen, auf nasser und glatter Fahrbahn halten sie dann besser und bremsen kürzer als Sommerreifen. Eine feste physikalische Schwelle ist das nicht — 7 °C ist ein Richtwert, kein Kipppunkt.

In Bergregionen und Norddeutschland lieber früher wechseln (Anfang Oktober). In milden Gebieten wie Rheinland oder Bodenseeregion kann man manchmal bis November warten.

Was Winterreifen technisch auszeichnet

Gummimischung

Winterreifen enthalten eine höhere Konzentration an Silika und natürlichem Kautschuk. Das hält die Mischung auch bei Temperaturen unter 0 °C geschmeidig — Sommerreifenmischungen hingegen werden bei Kälte hart und verlieren den Grip.

Lamellen

Die feinen Einschnitte im Profil — sogenannte Lamellen — greifen in Schnee und Eis, erhöhen die Oberfläche für Reibung und transportieren Wasser und Schneematsch effektiv ab.

Breite Rillen

Breite Längs- und Querrillen leiten Schnee, Schneematsch und Wasser schnell aus dem Reifenbereich ab und verhindern Aquaplaning auch bei Schneeschmelze.

Winterreifen-Tests: Warum „Testsieger" ohne Größe nichts wert ist

Der ADAC testet Winterreifen nicht als Marke, sondern je Reifengröße und in wechselnden Jahrgängen: zuletzt 225/40 R18 (31 Modelle, 2025), davor 205/55 R16 und 215/55 R17 (2024), 225/45 R17 und 205/60 R16 (2023). Ein Modell, das in einer Größe vorn liegt, kann in einer anderen Größe gar nicht angetreten sein — Reifen derselben Baureihe unterscheiden sich je nach Dimension in Mischung und Profilauslegung.

Deshalb nennen wir hier bewusst keine Rangliste. Sinnvoll ist der umgekehrte Weg: Erst die eigene Reifengröße aus dem Fahrzeugschein ablesen (Feld 15), dann nachsehen, ob und wann der ADAC genau diese Größe getestet hat. Findet sich für die eigene Größe kein Test, bringt die Note einer fremden Größe keinen Erkenntnisgewinn — dann bleiben das EU-Reifenlabel und die Alpine-Kennzeichnung die belastbaren Anhaltspunkte.

Tipp: Komplettrad kaufen Wer Winterreifen auf separaten Felgen kauft (Komplettrad), spart bei jedem Reifenwechsel die Montagekosten (10–20 € pro Reifen). Nach 2–3 Wintersaisonen hat sich das rechnung bezahlt gemacht.

Winterreifen für besondere Fahrzeuge

SUVs und Geländewagen

Größere, schwerere Fahrzeuge brauchen Winterreifen mit höherem Lastindex und robusterer Seitenwand. Achte auf die Bezeichnung „SUV" oder die Angabe XL (Extra Load) auf der Reifenflanke.

Elektroautos

E-Autos haben ein höheres Gewicht durch die Batterie und ein starkes Antriebsdrehmoment. Spezielle EV-Winterreifen (z.B. Michelin Pilot Alpin 5 EV) tragen dem Rechnung durch verstärkte Karkasse und angepasste Lamellenstruktur. Mehr dazu in unserem E-Auto Reifen Ratgeber.

Winterreifen: Stärken

  • Optimale Traktion auf Schnee und Eis
  • Kurze Bremswege bei Kälte und Nässe
  • Sicheres Fahrverhalten unter 7 °C
  • Erfüllt die Winterreifenpflicht

Winterreifen: Schwächen

  • Längerer Bremsweg im Sommer
  • Höherer Kraftstoffverbrauch (wegen mehr Rollwiderstand)
  • Zweimal jährlich Reifenwechsel nötig
  • Lagerkosten für zweiten Reifen-Satz
Winterreifen mit Alpine-Symbol kaufen

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Häufige Fragen

In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO: Bei Schnee, Eis, Schneematsch oder Reifglätte müssen Fahrzeuge mit wintertauglichen Reifen ausgestattet sein. Es gibt kein festes Datum. Der Regelsatz für die Fahrt ohne geeignete Bereifung liegt bei 60 € und 1 Punkt (Bußgeldkatalog Nr. 5a); wird dabei jemand behindert, sind es 80 € und 1 Punkt (Nr. 5a.1).

Das Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke, auch 3PMSF = Three-Peak Mountain Snow Flake) zeigt, dass der Reifen die EU-Mindestanforderungen für Schneetauglichkeit erfüllt. Es ist seit Oktober 2024 Pflicht für Winterreifen und Ganzjahresreifen, die für winterliche Verhältnisse genutzt werden. Das ältere M+S-Symbol allein reicht seither nicht mehr aus.

Der Regelsatz liegt bei 60 € und 1 Punkt (Bußgeldkatalog Nr. 5a). Wird dabei jemand behindert, steigt er auf 80 € — der Punkt bleibt (Nr. 5a.1). Wer als Halter die Fahrt anordnet oder zulässt, zahlt 75 € und bekommt ebenfalls einen Punkt (Nr. 213a). Verursacht man einen Unfall, kann die Versicherung die Leistung kürzen oder verweigern (grobe Fahrlässigkeit).

In Österreich gilt vom 1. November bis 15. April eine situative Winterreifenpflicht auf allen Straßen. Die Schweiz kennt keine generelle gesetzliche Winterreifenpflicht, empfiehlt sie jedoch dringend — bei Unfällen ohne Winterreifen bei winterlichen Bedingungen droht Mitschuld. Vor Auslandsfahrten immer die aktuellen Regeln prüfen.

Ja, das ist erlaubt und schadet nicht. Winterreifen sind so konzipiert, dass sie auch bei milden Temperaturen sicher genutzt werden können — sie verschleißen bei Hitze aber etwas schneller als Sommerreifen. Zu früh ist besser als zu spät.

Quellen

Die Rechtsangaben auf dieser Seite stammen aus den Verordnungstexten selbst, die Messwerte von der Stelle, die sie erhoben hat. Jede Quelle wurde am 17. September 2026 aufgerufen und an der Stelle gelesen, die die jeweilige Aussage trägt. Seiten von Reifenhändlern und anderen Ratgeberportalen stehen hier nicht: Wer Reifen verkauft, ist keine Quelle für Vorschriften und Messwerte über Reifen.

  • § 2 Absatz 3a Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), situative Winterreifenpflicht — Volltext auf gesetze-im-internet.de
  • § 36 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), Bereifung und Laufflächen — Volltext auf gesetze-im-internet.de
  • Bußgeldkatalog (Anlage zu § 1 Absatz 1 BKatV), lfd. Nrn. 5a, 5a.1, 212, 213 und 213a — Volltext auf gesetze-im-internet.de
  • Anlage 13 zu § 40 Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), Nrn. 3.2.1 und 3.5.7 — Volltext auf gesetze-im-internet.de
  • Bundesrat-Drucksache 771/16 vom 15. Dezember 2016, Zweiundfünfzigste Verordnung zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften (Begründung zur Übergangsfrist für M+S-Reifen bis zum Ablauf des 30. September 2024) — PDF des Bundesrates
  • UN-Regelung Nr. 117 der UNECE über Rollgeräuschemissionen, Nasshaftung und Rollwiderstand von Reifen (ABl. L 218 vom 12.8.2016, S. 1) — Fundstelle des Alpine-Symbols, in § 36 Absatz 4 StVZO in Bezug genommen. Ohne Link zitiert.
  • ADAC, Übersicht der Winterreifentests nach Reifengröße und Testjahr — adac.de