
Das gesetzliche Minimum: 1,6 mm
In Deutschland schreibt § 36 Absatz 3 StVZO eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm vor. Wichtig ist, worauf sich der Wert bezieht: Gemeint ist das Hauptprofil — und das sind laut Verordnung „die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa 3/4 der Laufflächenbreite einnimmt". Die 1,6 mm müssen dort am ganzen Umfang erreicht werden. Über die ganze Breite der Lauffläche verlangt die Vorschrift dagegen nur, dass überhaupt Profilrillen oder Einschnitte vorhanden sind — dort gilt kein Mindestmaß von 1,6 mm.
Wer das Minimum unterschreitet, begeht eine Ordnungswidrigkeit: 60 € Bußgeld und 1 Punkt (Bußgeldkatalog Nr. 212, Punkt nach Anlage 13 Nr. 3.5.7 FeV). Wer als Halter die Fahrt anordnet oder zulässt, zahlt 75 € (Nr. 213).
Warum früher wechseln?
Mit abnehmender Profiltiefe nimmt das Aquaplaningrisiko stark zu. Bei Nässe muss ein Reifen das Wasser aus dem Kontaktbereich mit der Fahrbahn verdrängen — tiefere Profile transportieren mehr Wasser pro Sekunde.
Bei dieser Wassertiefe erreichen Neureifen rund 75 bis 85 km/h, bevor sie den Fahrbahnkontakt verlieren — über 90 km/h schaffen nur schmale Neureifen der Breite 155 mm. Wie stark abgefahrene Reifen abfallen, zeigt der ADAC am Spitzenreiter eines Tests: Als Neureifen schwimmt er bei rund 93 km/h auf, mit nur noch 2 mm Profil bereits bei etwa 77 km/h. Sein Bremsweg auf nasser Fahrbahn wuchs dabei von 31,9 auf 37,3 Meter — gut 5,3 Meter oder rund 17 Prozent mehr.
Der ADAC weist außerdem darauf hin, dass bei etwa 3 mm Profil und weniger schon auf bloß feuchter Fahrbahn Aquaplaning auftreten kann, wenn aus 100 km/h gebremst wird. Für 1,6 mm veröffentlicht der Club keine eigenen Aufschwimmwerte — wir rechnen sie deshalb auch nicht hoch.
Profiltiefe messen: 3 Methoden
1. Profiltiefenmesser (genaueste Methode)
Ein digitaler oder analoger Profiltiefenmesser kostet 3–10 € und misst die Tiefe auf zehntel Millimeter genau. Einfach in die Hauptprofillinie drücken, ablesen. An mehreren Stellen über die Reifenbreite messen, da ungleichmäßiger Verschleiß den Wert verfälscht.
2. TWI-Indikatoren (Tread Wear Indicators)
Jeder Reifen hat kleine Stege (ca. 6–8 Stück) im Profil, die auf 1,6 mm Höhe gesetzt sind. Wenn die Lauffläche auf gleicher Höhe mit diesen Stegen ist, ist das Minimum erreicht. Erkennbar an kleinen Pfeilen oder „TWI"-Schriftzügen auf der Reifenschulter, die auf den Steg zeigen.
3. Münz-Trick (Notlösung)
Der goldfarbene Außenring eines 1-Euro-Stücks ist ungefähr 3 mm breit. In die Profilrille gesteckt heißt das: Ist der Ring vollständig verdeckt, liegt das Profil noch grob in der Gegend von 3 mm. Als genaue Messung taugt das nicht — die Europäische Zentralbank veröffentlicht für die Euro-Münzen nur den Gesamtdurchmesser, keine Ringbreite. Der Handgriff ersetzt also keinen Messschieber, sondern sagt nur: nachmessen lassen oder nicht.
Ungleichmäßiger Verschleiß: Warnsignal
Normaler Verschleiß sollte gleichmäßig über die gesamte Reifenbreite und zwischen Vorder- und Hinterreifen auftreten. Ungleichmäßiger Verschleiß kann auf Probleme hinweisen:
- Mitte stärker verschlissen als Ränder: Reifendruck zu hoch
- Ränder stärker verschlissen als Mitte: Reifendruck zu niedrig (Unterdruck)
- Eine Seite stärker verschlissen: Spureinstellung (Sturz) fehlerhaft
- Wellenförmiger Verschleiß: Stoßdämpfer verschlissen, Unwucht
Bei auffälligem Verschleiß umgehend Werkstatt aufsuchen — nicht nur den Reifen wechseln, sondern die Ursache beheben.
Bei weniger als 3 mm Restprofil lohnt sich der Wechsel. Vergleiche neue Reifen bei Reifen-Pneus-online.