Ganzjahresreifen: Der komplette Ratgeber 2026

Ganzjahresreifen boomen wie nie zuvor. Aber lohnen sie sich wirklich für jeden Fahrer? Wir erklären, was Allwetterreifen können, was nicht — und worauf du beim Kauf achten musst.

Ganzjahresreifen Profildetail – alle vier Jahreszeiten

Was sind Ganzjahresreifen?

Ganzjahresreifen — auch Allwetterreifen oder Allseasoner genannt — sind Reifen, die für den Einsatz in allen vier Jahreszeiten entwickelt wurden. Sie vereinen Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen in einem einzigen Produkt: eine Gummimischung, die sowohl bei Sommerhitze weich genug für guten Grip als auch bei Winterkälte nicht zu hart wird.

Im Gegensatz zu Saisonreifen muss man Ganzjahresreifen nie wechseln — sie bleiben das ganze Jahr über auf dem Fahrzeug. Das spart Aufwand, Kosten für die zweite Reifengarnitur und Lagerraum.

Wichtig: Alpine-Symbol ist Pflicht Seit 2024 müssen Ganzjahresreifen das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke, auch „3PMSF" genannt) tragen, um in Deutschland als Winterreifen zu gelten. Reine M+S-Kennzeichnung reicht für die situative Winterreifenpflicht nicht mehr aus.

Ganzjahresreifen vs. Saisonreifen: Der direkte Vergleich

Die zentrale Frage: Kann ein Reifen wirklich in beiden Extremen funktionieren? Ja — aber mit Einschränkungen. Ein Ganzjahresreifen ist kein perfekter Sommer- und kein perfekter Winterreifen. Er ist ein sehr guter Kompromiss.

Eigenschaft Ganzjahresreifen Sommerreifen Winterreifen
Nässehaftung Sommer ◐ Gut ✓ Sehr gut ✗ Mäßig
Traktion bei Schnee ◐ Gut ✗ Ungeeignet ✓ Sehr gut
Kurvengrip bei Wärme ◐ Befriedigend ✓ Ausgezeichnet ✗ Schlecht
Verhalten unter 7 °C ✓ Geeignet ✗ Ungeeignet ✓ Optimal
Reifenwechsel nötig ✓ Nein ✗ Ja (2× pro Jahr) ✗ Ja (2× pro Jahr)
Kraftstoffverbrauch ◐ Etwas höher ✓ Optimal ✗ Höher
Gesamtkosten (5 Jahre) ✓ Oft günstiger ◐ Mittel ◐ Mittel

Vor- und Nachteile von Ganzjahresreifen

Vorteile

  • Kein Reifenwechsel zweimal jährlich
  • Keine Lagerungskosten für zweiten Satz
  • Winterreifenpflicht erfüllt (mit Alpine-Symbol)
  • Spontan reisefertig bei Wetterüberraschungen
  • Gesamtkostenvorteil bei niedrigen Jahreskilometern
  • Gut für Zweitfahrzeuge und Stadtfahrer

Nachteile

  • Kein Optimum in Extremsituationen (tiefer Schnee, Hochsommer)
  • Höherer Kraftstoffverbrauch als Sommerreifen
  • Höherer Reifenverschleiß wegen ganzjährigem Einsatz
  • Längerer Bremsweg bei >20 °C vs. Sommerreifen
  • Für Sportwagen und sportliches Fahren nicht ideal
  • Begrenzte Auswahl in großen/breiten Dimensionen

Für wen lohnen sich Ganzjahresreifen?

Die ehrliche Antwort hängt von deiner Fahrsituation ab. Ganzjahresreifen sind die richtige Wahl, wenn diese Punkte auf dich zutreffen:

  • Weniger als 20.000 km/Jahr: Wer wenig fährt, profitiert vom eingesparten Wechselaufwand und amortisiert die leicht höheren Kosten schneller.
  • Stadtfahrten in milden Regionen: Im Flachland mit milden Wintern (Rheinland, Ruhrgebiet, Küstenregionen) sind Ganzjahresreifen völlig ausreichend.
  • Zweitauto oder Seltenfahrer: Wer ein Auto nur gelegentlich nutzt, hat keinen Nerv für zweimal Reifenwechsel im Jahr.
  • Kein Lagerplatz: Ohne Garage oder Keller sind Ganzjahresreifen praktisch unverzichtbar.
⚠ Wann Saisonreifen besser sind Vielfahrer (über 25.000 km/Jahr), Fahrer in Mittelgebirge oder Alpenregionen, sportlich orientierte Fahrer oder alle, die auf höchste Sicherheitsreserven angewiesen sind, fahren mit qualitativ hochwertigen Saisonreifen klar besser.

Erkennungsmerkmale: So erkennst du echte Ganzjahresreifen

Nicht jeder Reifen mit der Aufschrift „All Season" ist wirklich für Winter zugelassen. Achte auf diese Kennzeichnungen auf der Reifenflanke:

  • Alpine-Symbol (3PMSF): Ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Nur dieses Symbol erfüllt seit 2024 die Winterreifenpflicht in Deutschland. Pflicht für alle Ganzjahresreifen, die auch im Winter legal genutzt werden sollen.
  • M+S: Steht für „Mud and Snow" — Schlamm und Schnee. Diese Kennzeichnung allein reicht seit 2024 nicht mehr für die Winterreifenpflicht. Viele Ganzjahresreifen tragen beide Symbole.
  • DOT-Nummer: Die letzten 4 Ziffern geben Herstellungswoche und -jahr an (z.B. 1224 = Woche 12, Jahr 2024). Reifen älter als 6 Jahre sollten ersetzt werden.

Ganzjahresreifen testen: Was ADAC & Stiftung Warentest sagen

In aktuellen Vergleichstests landen Ganzjahresreifen der Premium-Klasse regelmäßig auf einem soliden Niveau. Aktuelle Tests von ADAC und Stiftung Warentest zeigen:

  • Premiumhersteller (Michelin CrossClimate, Continental AllSeasonContact, Goodyear Vector) erzielen sehr gute Noten in allen Bedingungen
  • Bei Sommernässe und Trockenbremsen liegen sie 5–10 % hinter Top-Sommerreifen
  • Bei Schnee und Eis sind sie echten Winterreifen leicht unterlegen, aber deutlich sicherer als Sommerreifen
  • Budget-Ganzjahresreifen fallen in kritischen Situationen (Schnee, Nässe) oft deutlich ab — hier nicht sparen

Kauftipps: Worauf du achten musst

1. Alpine-Symbol prüfen

Nur Reifen mit dem Bergpiktogramm und Schneeflocke (3PMSF-Symbol) erfüllen die Winterreifenpflicht. Das ist das wichtigste Auswahlkriterium.

2. EU-Reifenlabel beachten

Das EU-Reifenlabel bewertet Kraftstoffeffizienz (A–E), Nasshaftung (A–E) und Rollgeräusch (dB). Ganzjahresreifen haben hier naturbedingt leichte Abzüge — achte besonders auf die Nasshaftungsklasse (mindestens B).

3. Richtige Größe wählen

Die Reifengröße findest du im Fahrzeugschein (Feld 15.1) oder auf dem Aufkleber in der Fahrertür. Niemals eine andere als die zugelassene Größe montieren.

4. Markenqualität zahlt sich aus

Gerade bei Ganzjahresreifen ist der Unterschied zwischen Premium und Budget erheblich. Bewährte Marken: Michelin CrossClimate 2, Continental AllSeasonContact 2, Goodyear Vector 4Seasons, Pirelli Cinturato All Season.

5. Wechselzeitpunkt beachten

Auch Ganzjahresreifen abnutzen sich — bei intensivem Einsatz schneller als Saisonreifen. Prüfe regelmäßig die Profiltiefe.

Häufige Fragen zu Ganzjahresreifen

Sind Ganzjahresreifen in Deutschland zugelassen?
Ja, vollständig. Sie erfüllen auch die situative Winterreifenpflicht — sofern das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) aufgedruckt ist. Reine M+S-Kennzeichnung reicht seit 2024 nicht mehr aus.
Für wen lohnen sich Ganzjahresreifen nicht?
Vielfahrer über 25.000 km/Jahr, Fahrer in schneereichen Bergregionen oder Personen mit hohen Anforderungen an Fahrdynamik fahren mit Saisonreifen besser. Ganzjahresreifen sind ein guter Kompromiss, aber kein Optimum in Extremsituationen.
Wie lange halten Ganzjahresreifen?
Bei 10.000–15.000 km/Jahr in der Regel 4 bis 6 Jahre. Das Alter sollte 6 Jahre nicht überschreiten. Das Herstellungsdatum steht als 4-stellige DOT-Nummer auf der Reifenflanke (z.B. 1224 = KW 12/2024).
Darf ich Ganzjahresreifen auch im Sommer fahren?
Ja, das ist der eigentliche Sinn. Der Bremsweg bei hohen Temperaturen ist etwas länger als mit Sommerreifen, aber vollständig sicher und legal. Bei sehr sportlichem Fahren oder auf der Autobahn mit Tempo 200+ sind Sommerreifen jedoch klar überlegen.
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